Die Managerkrankheit „The Fallacy of Centrality“ – oder: warum Macht oft den Charakter verändert

Chef zu sein ist oft nicht einfach. Das liegt u.a. daran, dass naturgemäß durch die ungleiche Machtverteilung in der Beziehung eine ungleiche Dynamik entsteht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben das ans Tageslicht gebracht, was wir schon lange vermutet haben: Menschen, die mit Macht und Autorität ausgestattet werden, gewöhnen sich häufig egozentrisches Verhalten an und zeigen weniger Empathie als vorher. Gleichzeitig werden Führungskräfte schärfer von ihren Mitarbeitern beobachtet und nicht selten wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.

Schach matt

Das Phänomen, dass Vorgesetzte sich oft nicht besonders sensibel für die Belange ihrer Mitarbeiter zeigen – wurde durch das sogenannte „Keks-Experiment“ aus dem Jahr 2003 belegt. Bei dieser Versuchsanordnung sollten Teams aus drei Studenten jeweils einen kurzen Aufsatz verfassen. Zwei zufällig ausgewählte Teammitglieder sollten den Text verfassen, das dritte Teammitglied musste ihn bewerten und entscheiden, welches Honorar die beiden anderen dafür erhalten sollten. Dadurch wurde das dritte Teammitglied faktisch zum Chef. Nach 30 Minuten kam der Studienleiter – quasi zufällig – mit einem Teller mit fünf Keksen herein, die er den Studenten anbot. Wenig überraschend blieb der fünfte Keks – nach dem Grundsatz des guten Benehmens – liegen. Was geschah jedoch mit dem vierten Keks, den jeder hätte nehmen können? Das Experiment zeigte, dass scheinbar schon der leiseste Anflug von Macht eine erstaunliche Wirkung hat: die „Chefs“ griffen am ehesten zum Keks und zeigten auch das ungehemmteste Essverhalten – kauen mit offenem Mund usw..

Dieses kleine Experiment – und weitere Studien – zeigen, dass Menschen in Machtpositionen sich stärker um die eigenen Wünsche und Bedürfnisse konzentrieren. Schlimmer noch: viele Chefs lassen sich durch ihre Machtposition zu dem Irrglauben verleiten, dass sie über alle Entwicklungen im Unternehmen im Bilde sind – obwohl dem oft nicht so ist. Diesen Effekt nennt man „The Fallacy of Centrality“ oder zu deutsch „Der Irrtum der zentralen Position“.

Der Preis dafür ist hoch: Mitarbeiter betreiben oft einen enormen Aufwand, um jeden Schritt ihrer Führungskraft zu beobachten und zu (über-)bewerten. Die Aufmerksamkeit in Hierarchien richtet sich nach oben.

Wie können Führungskräfte dem vorbeugen? Zum Beispiel dadurch, dass sie – auch in Krisenzeiten – ihre Aufmerksamkeit mehr auf ihre Mitarbeiter richten. Mitarbeiter haben das Bedürfnis nach vier Gegenmitteln: Berechenbarkeit, Informationen, Kontrolle und Mitgefühl.

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